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Ein Platz für den Mond

Als die Sonne hinter den Bäumen des Freundschaftswaldes verschwand, trug Wumi vier Kissen auf die Veranda. Den ganzen Nachmittag hatten die Freunde im Garten gespielt. Jetzt wollte er noch etwas Schönes für sie vorbereiten: einen Platz, von dem aus sie den Mond sehen konnten.

​

Er legte die Kissen ordentlich nebeneinander. Ein großes für Hopsi, ein rundes für Mucki, ein kleines für Eddi und ein weiches für sich selbst. Auf dem Tisch standen vier Becher Wasser. Alles war bereit.

​

Nur der Mond fehlte.

​

Wumi schaute zwischen den Blättern hindurch. Über dem Wald lag ein blassblauer Streifen Himmel, aber darin war nichts zu entdecken. Er schob sein Kissen ein Stück nach links. Dann rückte er den Tisch nach rechts.

​

„Suchst du etwas?“, fragte Hopsi, die gerade nach draußen kam.

„Den besten Platz für den Mond“, sagte Wumi . „Heute möchte ich ihn mit euch zusammen anschauen.“

​

Hopsi stellte sich neben ihn. Ihre langen Ohren ragten über das Geländer. „Vielleicht kommt er, wenn wir fertig sind.“

„Wir sind doch fertig“, meinte Wumi.

01_Die_vier_Kissen.png

Da erschien Eddi mit einer Decke, die so groß war, dass man fast nur seine Ohren und seinen Schwanz sehen konnte. Mucki folgte ihm und nahm ihm eine Ecke ab.

 

Gemeinsam breiteten sie die Decke über die vier Kissen. „Jetzt sind wir noch fertiger“, sagte Eddi zufrieden.

​

Wumi musste lächeln. Trotzdem blieb er stehen. Zwischen den Zweigen war immer noch kein Mond. Unter dem Baumhaus glitzerte etwas. Neben der untersten Stufe hatte der Regen vom Nachmittag eine kleine Pfütze hinterlassen. Wumi sah einen hellen Schimmer darin.

​

„Vielleicht kann man ihn unten schon sehen“, sagte er.

​

Die Freunde gingen die Treppe hinunter. Mucki nahm die kleine Laterne mit. Ihr warmes Licht machte einen runden Fleck auf jede Stufe. Unten hockten sie sich nebeneinander an den Rand der Pfütze.
 

Darin spiegelte sich ein Stück Himmel. Eine Wolke zog langsam darüber hinweg. Ein Blatt schwamm auf dem Wasser wie ein winziges Boot. „Das ist noch nicht der Mond“, stellte Hopsi fest. „Aber ein schöner Himmel“, sagte Mucki.

​

Eddi pustete vorsichtig gegen das Blatt. Es drehte sich einmal im Kreis und blieb dann wieder liegen. Die Freunde sahen ihm nach. Niemand sagte etwas. Hinter ihnen raschelte eine Amsel im Gebüsch, und weit entfernt klopfte ein letzter Specht an einen Baum.

​

Wumi setzte sich auf die trockene Stufe. Zum ersten Mal an diesem Abend versuchte er nicht, einen besseren Platz zu finden.

„Ich wollte, dass alles besonders schön wird“, sagte er. Mucki setzte sich neben ihn. „Die Kissen waren schon schön.“​

„Und die riesige Decke“, ergänzte Eddi. Hopsi lehnte sich an das Treppengeländer. „Und dass du auf uns gewartet hast.“

​

Wumi betrachtete seine Freunde. Eddi hatte ein Blatt am Schwanz. Mucki Brille spiegelte das Laternenlicht. Hopsi gähnte so ausgiebig, dass Wumi gleich mitgähnen musste.

​

Da wurde die Pfütze plötzlich heller. Zwischen zwei Wolken war der Mond hervorgekommen. Sein Spiegelbild lag mitten im Wasser, rund und ruhig. Eddi zog die Pfoten an sich, damit er keine Wellen machte.

​

„Da ist er“, flüsterte Wumi. Eine Weile saßen sie einfach da. Das Blattboot lag neben dem Mond, als hätte es genau dort festmachen wollen. Dann wurde Hopsi kalt.

02_Der_Mond_in_der_Pfuetze.png
03_Unter_einer_Decke.png

Die Freunde gingen wieder hinauf und kuschelten sich auf ihre Kissen. Nun stand der Mond hoch genug, um durch eine Lücke in den Zweigen zu scheinen. Wumi musste keinen Tisch und kein Kissen mehr verschieben.

​

Eddi zog die Decke über alle vier. Mucki stellte die Laterne ab. Sie hörten die Blätter rauschen, bis ihre Augen schwer wurden.

​

Später putzten sie die Zähne und schlüpften in ihre Betten. Durch das Fenster fiel ein schmaler Streifen Mondlicht auf den Boden.

​

Wumi sah ihn noch einen Moment an. Er hatte dem Mond keinen Platz suchen müssen. Der Abend hatte einen gefunden. „Gute Nacht“, murmelte er.

​

Aus drei Betten kam eine leise Antwort. Dann schlief Wumi ein, während draußen das kleine Blattboot still auf seiner Pfütze lag.

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